Wer bekommt die Technik-Emmys 2026?

FKTG-Journal
Am 14. Oktober findet die Verleihung der Engineering, Science & Technology Emmys 2026 statt - auch wieder mit deutscher Beteiligung.

Die Television Academy und die National Academy of Television Arts & Sciences (NATAS) zeichnen 2026 erneut technologische Entwicklungen aus, welche die Fernsehproduktion, Signalverarbeitung und Distribution prägen. Die gemeinsame Verleihung findet am 14. Oktober im Saban Media Center in North Hollywood, Kalifornien, statt.

Beide Organisationen prüfen nach eigenen Angaben derzeit eine mögliche Wiedervereinigung und haben daher ihre Preisverleihungen zusammengelegt. Das war bereits beim Award-Jahrgang 2014 der Fall. Die diesjährigen Auszeichnungen verteilen sich daher auf zwei Programme: die Engineering, Science & Technology Emmy Awards der Television Academy und die Technology & Engineering Emmy Awards der NATAS. Beide würdigen technische Innovationen, setzen in ihren jeweiligen Kategorien jedoch unterschiedliche Schwerpunkte.

 

Television Academy: Postproduktion, Audio und Kameratechnik

Die Television Academy zeichnet Entwicklungen aus, die bestehende Verfahren wesentlich verbessern oder neue technische Möglichkeiten für Produktion, Aufzeichnung, Übertragung und Wiedergabe von Fernsehinhalten schaffen.

Zu den diesjährigen Preisträgern gehört Adobe Inc. für die Entwicklung von Adobe Premiere. Das nichtlineare Schnittprogramm unterstützt die Bearbeitung unterschiedlicher Kameras, Codecs, Bildraten und Seitenverhältnisse innerhalb einer gemeinsamen Timeline. Die Academy hebt außerdem die Integration von Machine-Learning- und generativen KI-Funktionen in den Editing-Workflow hervor.

Ebenfalls ausgezeichnet wird Avid Technology für Avid DNx. Die Codec-Familie ist auf professionelle Produktions- und Postproduktionsabläufe ausgelegt und ermöglicht framegenauen Zugriff sowie vorhersehbare Echtzeitwiedergabe. Sie unterstützt Workflows vom Proxy-Schnitt bis zur Finalisierung und kommt unter anderem bei Schnitt, Farbkorrektur, VFX-Austausch, Playout und Archivierung zum Einsatz.

Im Audiobereich erhält TU-Darmstadt-Alumnus Benjamin Graf von Accentize nach 2024 erneut einen Emmy, diesmal für das Plug-in Chameleon. Die Software analysiert vorhandene Audioaufnahmen und erzeugt mithilfe eines neuronalen Netzes individuelle Hallprofile. Damit lassen sich unterschiedliche akustische Umgebungen angleichen und nachträglich aufgenommene Dialoge besser in bestehende Tonmischungen integrieren.

James Robinson von Hitomi wird für MatchBox Glass ausgezeichnet. Die Lösung verwandelt ein handelsübliches iPhone in ein Messinstrument für Audio-/Video-Synchronität und Latenz. Ein kalibriertes optisches und akustisches Referenzsignal wird direkt vor Kamera und Mikrofon erzeugt. Das ermöglicht Messungen am Aufnahmeort und in verteilten Produktionsumgebungen, ohne dass dedizierte Hardwaregeneratoren oder Eingriffe in die Signalstrecke erforderlich sind.

Weitere Auszeichnungen der Television Academy betreffen die Kameratechnik und die Produktionsausstattung. Curt O. Schaller und Dr. Roman Foltyn werden für das Trinity 2 Hybrid Camera Stabilizer System geehrt. Das System ermöglicht komplexe Kamerabewegungen mit fließenden Höhenwechseln, 360-Grad-Rotationen und stabiler Horizontführung.

Für Snowbase, einen künstlichen Schnee auf Basis biologisch abbaubarer Holzzellulose, werden Roland Hathaway, Darcey Crownshaw, Frank Balzer und Dean Hathaway von Snow Business USA ausgezeichnet. Das Material lässt sich für Innen- und Außenproduktionen einsetzen und soll sich in Aussehen und Verhalten an echten Schnee anlehnen.

 

Lebenswerk und Unternehmensleistung

Der Charles F. Jenkins Lifetime Achievement Award geht an Barry B. Zegel. Er war über Jahrzehnte bei CBS tätig und zuletzt Senior Vice President und General Manager von CBS Television City. Zu seinen Leistungen gehören die Weiterentwicklung technischer Produktionsinfrastrukturen, die Einführung neuer Technologien und die Begleitung des Übergangs zum hochauflösenden Fernsehen. Darüber hinaus übernahm er technische und operative Aufgaben bei der CBS-Berichterstattung über drei Olympische Winterspiele, darunter die Leitung des operativen Olympiabetriebs in Lillehammer.

Zegel setzte sich zudem für eine stärkere Vertretung technischer Fachkräfte innerhalb der Television Academy ein und trieb die Gründung der Science & Technology Peer Group voran.

Mit dem Philo T. Farnsworth Corporate Achievement Award wird Chapman/Leonard Studio Equipment ausgezeichnet. Das seit 1945 bestehende Unternehmen entwickelte über Jahrzehnte Kamerakräne, Dolly-Systeme und weitere Kameraträger, die die Möglichkeiten bewegter Kameraarbeit in Film- und Fernsehproduktionen erweitert haben. Zu den Entwicklungen zählen der Hercules Mobile Crane, die Lenny-Arm-Systeme und die für Sportproduktionen konzipierte Olympian-Serie.

 

NATAS: Remote-Produktion, IP-Standards und Live-Sport

Die NATAS zeichnet mit ihren Technology & Engineering Emmy Awards unter anderem Technologien aus, die neue Produktionsmodelle ermöglichen oder zentrale technische Infrastrukturen des Broadcast-Betriebs weiterentwickeln.

Eine Auszeichnung geht an SipRadius, NBCUniversal, Grass Valley, CBS Sports, Disney, Game Creek, Amazon und Vindral für webbasierte, framegenaue Remote-Monitoring-Systeme für verteilte Broadcast-Produktionen.

Die entsprechenden Technologien wurden insbesondere während der Corona-Pandemie entwickelt und bis Anfang 2024 weiter ausgebaut. Sie ermöglichen die Überwachung von Videosignalen und die Zusammenarbeit in Echtzeit über räumlich getrennte Produktionsstandorte hinweg. Laut NATAS haben sich diese Verfahren inzwischen bei großen Broadcastern, Kabelnetzbetreibern und Streamingplattformen etabliert.

 

Broadcast-Qualität bei minimalem Gewicht

Ebenfalls ausgezeichnet werden FPV-Drohnensysteme für Live-Sportübertragungen. Neben OBS, Wave Central und Above Media wird auch das deutsche Unternehmen Proton aus Garbsen bei Hannover ausgezeichnet. Die Systeme kombinieren schnelle Fluggeräte, kompakte Broadcast-Kameras, latenzarme Funkübertragung und spezialisierte Stabilisierungstechnik. Dadurch entstehen dynamische Kameraperspektiven, bei denen die Kamera Athleten unmittelbar durch das sportliche Geschehen begleiten kann. Die Olympischen Winterspiele 2026 hätten laut NATAS die technische Reife und Einsatzbreite dieser Lösungen demonstriert.

Die zentrale technische Herausforderung für Protons Beitrag zur Weiterentwicklung der FPV-Technologie bestand darin, Broadcast-Bildqualität mit einer Kamera zu erreichen, die klein und leicht genug für eine besonders gewichtskritische Hochgeschwindigkeitsdrohne ist. Bei einem Gesamtgewicht von lediglich 245 Gramm müssen sämtliche Komponenten berücksichtigt werden, etwa Elektronik, Motoren, Akku, FPV-Pilotenkamera und Broadcast-Videosender. Für die zusätzliche Broadcast-Kameratechnik bleibt damit nur ein äußerst begrenztes Gewichtsbudget.

Die Proton Cam mit einem nur 28 Millimeter großen Formfaktor und einem Gewicht von 24 Gramm liefert Full-HD-Bilder mit 12-Bit-HDR und ermöglicht damit eine hochwertige Bilddarstellung bei minimalem Platz- und Gewichtsbedarf. Die Kamera soll besonders klare, detailreiche Bilder für das Fernsehpublikum liefern, ohne die Aerodynamik der Drohne zu beeinträchtigen. Dadurch bleibt die volle Bewegungsfreiheit der schnellen FPV-Plattform erhalten - mit dynamischen Sturzflüge, engen Kurven und fließenden Flugbewegungen, die das kreative Potenzial drohnengestützter Sportübertragungen ausmachen.

Die Auszeichnung für FPV-Drohnensysteme würdigt damit ein Zusammenspiel aus kompakter Broadcast-Bildtechnik, leistungsfähiger Funkübertragung und agiler Flugplattform, das neue Perspektiven für die Live-Sportberichterstattung eröffnet.

 

ATSC 3.0 und standardisierte IP-Workflows

Die Standardisierung von ATSC 3.0 NextGen TV wird ebenfalls von der NATAS gewürdigt. Preisträger sind ATSC und die Broadcast Standards Association.

ATSC 3.0 erweitert das digitale terrestrische Fernsehen um Möglichkeiten für UHD, HDR, immersiven Ton und interaktive Dienste. Nach Angaben der Organisationen ist der Standard in den USA und international kommerziell im Einsatz und beeinflusst sowohl die Broadcast-Infrastruktur als auch den Markt für Empfangsgeräte.

Einen weiteren Emmy erhalten die Advanced Media Workflow Association (AMWA), Sony Corporation, die BBC und Streampunk Media für die Entwicklung von AMWA NMOS Discovery, Registration and Connection.

Die NMOS-Spezifikationen IS-04 und IS-05 ergänzen SMPTE ST 2110 um standardisierte Verfahren zur Erkennung, Registrierung und Verbindung von Medienquellen und -zielen in IP-basierten Produktionsumgebungen. Zusammen bilden die Technologien einen wichtigen Baustein für interoperable Broadcast-Netzwerke. Standardisierte Schnittstellen, automatisierte Testverfahren und Open-Source-Implementierungen unterstützen die Einführung und den Betrieb solcher Infrastrukturen.

Auch die Verbindung klassischer Kameratechnik mit Glasfaserinfrastrukturen wird ausgezeichnet. Telecast Fiber Systems, Bluebell Opticom und MultiDyne Electronics erhalten einen Technology & Engineering Emmy für einen SMPTE-Hybridkabel-Formatkonverter mit Stromversorgung. Die Technik ermöglicht es, Kamerasysteme über vorhandene Singlemode-Glasfaserstrecken über mehrere Kilometer anzubinden und dabei Video-, Daten- und Stromversorgungssignale zu übertragen. Das erhöht die Flexibilität bei Außenproduktionen und in mobilen Produktionsumgebungen und kann Gewicht sowie Kosten langer herkömmlicher SMPTE-Kabelstrecken reduzieren.

 

KI-basierte Transformation in der Postproduktion

Die NATAS zeichnet außerdem die Entwicklung KI-basierter Gesichtsveränderung und performanzbewahrender Transformation in der Postproduktion aus. Preisträger sind Disney Research, Rising Sun Pictures, Digital Domain und Metaphysic (Brahma AI).

Die Technologien ermöglichen es, das Erscheinungsbild von Darstellern digital zu verändern und dabei Mimik, Bewegung, Beleuchtung und die Kontinuität einer Szene möglichst realistisch zu erhalten. Zu den Anwendungen gehören visuelle Effekte, digitale Verjüngung, Stuntproduktionen und der Schutz der Identität von Personen. Die Systeme müssen dabei auch mit wechselnden Kameraperspektiven, unterschiedlichen Lichtbedingungen und teilweise verdeckten Gesichtern umgehen können.

 

Weitere Ehrungen und Nominierungen der NATAS

Bei der gemeinsamen Preisverleihung werden außerdem zwei technische Pioniere gewürdigt: Theodore Willard Case und Georges Claude für ihre Arbeiten zur praktischen Transduktion sowie John Logie Baird für die erste Demonstration erkennbaren Fernsehens.

In der Kategorie Excellence in Production Technology – Application zeichnet die NATAS nicht eine Technologie selbst aus, sondern deren innovative Anwendung in der Fernsehproduktion. Die Gewinner werden am 14. Oktober bekannt gegeben. Nominiert sind „Good Morning America“ von ABC News und The Walt Disney Company, „Prime Vision NFL’s Thursday Night Football“ von SportsMEDIA Technology sowie „Star Wars: Skeleton Crew“ von Disney+.

 

Gemeinsamer  Blick auf die Zukunft des Fernsehens

Die Preisträger der beiden Organisationen decken unterschiedliche, sich ergänzende Bereiche der Fernsehproduktion ab. Die Television Academy würdigt unter anderem etablierte Werkzeuge für Schnitt, Audio-Postproduktion und Kameraführung sowie herausragende Lebens- und Unternehmensleistungen. Die NATAS setzt in ihrer diesjährigen Auswahl besondere Akzente bei verteilten Produktionsumgebungen, IP-Standards, Live-Sporttechnologien und KI-gestützter Bildbearbeitung.

Gemeinsam zeigen die Auszeichnungen, wie sich Broadcast-Workflows weiterentwickeln: Produktionssysteme werden stärker vernetzt, Arbeitsabläufe zunehmend standortunabhängig und neue Werkzeuge für Bild- und Tonbearbeitung eröffnen zusätzliche kreative Möglichkeiten. Die gemeinsame Preisverleihung bringt diese Entwicklungen unter einem Dach zusammen.

 


Bild oben: Die deutsche Firma Proton ist mit ihrer Kameraentwicklung für FVP-Drohnensysteme unter den diesjährigen Preisträgern (Quelle: Proton, redaktionell bearbeitet)

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