Broadcast-Produktion des Supercups
Während die Technologieentscheidungen in der Bundesliga von vielen verschiedenen internen und externen Faktoren abhängen, ist die Produktion der Live-Feeds für das Sportcast-Team als Host Broadcaster und seine Partner schon Routine. „Natürlich sind Spiele wie der Supercup aber immer noch etwas Besonderes“, so Seamus Neary, Director Matchday Operations bei Sportcast.

Das Basis-Signal
Die technische und inhaltliche Live-Grundlage bildet die Produktion des Clean Feeds direkt aus dem Stadion. „Das ist praktisch das weitgehend unveredelte Weltbild“, erläutert Neary. „Das Signal enthält primär das Kamerabild, die Zeitlupen, die Stadionatmosphäre und lediglich das für die Kontribution bzw. Distribution erforderliche Wasserzeichen.“
Für den Supercup wurde dieser Basisfeed mit mehr als 30 Kameras erzeugt. Um die technische Dimension etwas einzuordnen: Bei einem Zweitligaspiel kommen laut Sportcast durchschnittlich elf Kameras zum Einsatz. Der zusätzliche Produktionsumfang betrifft aber natürlich nicht nur die Kameratechnik selbst, sondern auch Regie, Signalverarbeitung, Kommunikation, Monitoring und die benötigten Übertragungswege.
Vor Ort wurde die Produktion gemeinsam mit dem Produktionspartner TVN realisiert. Auf derselben Infrastruktur wurden neben der Basisproduktion auch die unilaterale Produktion von Sky Deutschland umgesetzt. Neary: „Die Kollegen sitzen mit uns im selben Ü-Wagen und wir realisieren die technische Basis im Stadion für die unilaterale Produktion des Kunden.“
Die Signalkette
Ausgangspunkt für die nationale und internationale Distribution ist der Clean Feed. Dieses Signal wird zusammen mit weiteren benötigten Signalen über das Kontributionsnetz zur zentralen Produktion nach Köln übertragen.
Die Verbindung erfolgt aufgrund des Produktionsvolumens über Glasfaser. Für den Supercup stand der Feed unter anderem in UHD/HDR und in 3D Audio zur Verfügung. In der zentralen Produktion wird das Signal anschließend technisch und redaktionell veredelt. „Dazu gehören klassische Grafiken ebenso wie weitere Elemente der internationalen beziehungsweise regionalen Ausspielung“, so Neary.
Die grundsätzliche Signalkette lässt sich damit vereinfacht so beschreiben:

Für internationale Abnehmer werden aus der zentralen Produktion entsprechende veredelte Signale bereitgestellt. Die weitere Verteilung erfolgt je nach Zielregion über Glasfaserstrecken, Satellit und IP-basiertes Streaming.
Remote-Produktion für den internationalen Markt
Die internationale Produktion ist weitgehend remote organisiert. Zusammen mit einem weiteren Produktionspartner werden die für die internationalen Märkte benötigten Signale zentral aufbereitet.
Ein wesentlicher Bestandteil dieser Live-Veredelung sind Grafiken. Für das englischsprachige Segment wird beispielsweise ein internationales Kommentatorenteam aus Kommentator und Experte zugeschaltet. Beim Supercup befand sich diese sogenannte Dual-Commentary-Position aufgrund der Bedeutung des Spiels allerdings direkt im Stadion.
Auch virtuelle Werbung wird zentral und remote umgesetzt. Damit können Werbeinhalte beziehungsweise regionale Werbevarianten gezielt für unterschiedliche Märkte produziert werden, ohne dass dafür jeweils eine vollständige Produktionskette vor Ort erforderlich ist.
Für die internationale Distribution sind rund 200 FIFA-Mitgliedsverbände beziehungsweise internationale Märkte relevant. Neary: „Das macht eine zentralisierte Produktionsarchitektur besonders effizient: Ein hochwertiger Basisfeed wird einmal im Stadion erzeugt und anschließend zentral für die verschiedenen Ausspielwege und Regionen aufbereitet.“
Regionale Sondersignale
Neben dem eigentlichen internationalen Feed entstehen zusätzliche Sondersignale. Diese werden im Vorfeld abhängig von den jeweiligen Rechten und regionalen Anforderungen geplant.
Ein Beispiel ist die virtuelle Werbung: Im Kamera-1-Signal lässt sich die Bandenwerbung virtuell austauschen, sodass unterschiedliche Regionen unterschiedliche Werbeinhalte erhalten können. Die dafür erforderlichen Signalvarianten werden zentral erzeugt und anschließend an die jeweiligen Zielmärkte verteilt.
Hinzu kommen weitere Produktionspositionen, etwa Interview-Signale. Beim Supercup wurden Interviews für fünf beziehungsweise sechs internationale Sender bereitgestellt. Welche Positionen und Konfigurationen benötigt werden, hängt dabei von der jeweiligen Rechteverteilung ab.
Auch die nationalen Rechteinhaber nutzen den Clean Feed als Ausgangspunkt. Beim Supercup hatten unter anderem Sky im Pay-TV und Sat.1 im Free-TV die entsprechenden Live-Rechte.
Sie übernehmen das Clean-Feed-Signal vor Ort, verfügen für ihre eigene Kontribution jedoch über separate Dienstleister und Übertragungswege. „Bei Sky führt der Weg beispielsweise über einen Kontributionspartner nach Unterföhring. Dort erfolgt anschließend die lizenznehmerseitige Veredelung und Ausspielung im eigenen Sendezentrum“, so Neary.
Eigenes Kontributionsnetz für die Bundesliga und Redundanzkonzept
Für die Bundesliga wurde ein dediziertes Kontributionsnetz aufgebaut. Die technische Basis bildet ein Glasfasernetz, dessen Bandbreiten und Dienste bei einem Kontributionspartner beziehungsweise Telekommunikationsanbieter eingekauft werden.
Über diesen Backbone werden unterschiedliche Services transportiert. Neben Video gehören dazu unter anderem, Audioübertragungen, Datensignale, Internetzugänge, Telefonie sowie Kommunikations- und Intercom-Dienste.
Die konkrete Umsetzung von Encoding und Decoding wird mit dem jeweiligen Dienstleister abgestimmt. „Entscheidend ist dabei, dass die erforderlichen Services über die komplette Produktionskette verfügbar sind“, erklärt Neary.
Für die Kommunikation zwischen zentraler Produktion und Stadion beziehungsweise zwischen Onsite- und Zentralproduktion bestehen dedizierte Kommunikationsstrecken., unter anderem TCC- und PCC-Strecken. Sie stellen sicher, dass die Produktionsmannschaften während des Live-Betriebs miteinander verbunden bleiben.
Zusätzlich zur eigentlichen Produktions- und Übertragungstechnik wird ein Network Operations Center (NOC) betrieben. Dort werden die Kontributionsstrecken überwacht. Damit wird die technische Kontrolle nicht auf die Produktionsstandorte beschränkt. Die Übertragungswege zwischen Stadion, zentraler Produktion und weiteren Punkten der Distribution können kontinuierlich beobachtet werden.
Ein zentrales technisches Merkmal der Produktion ist die mehrstufige Redundanz. Die reguläre Glasfaseranbindung jedes Venues ist bereits redundant ausgelegt: Jedes Stadion beziehungsweise Venue verfügt über zwei getrennte Glasfaserstrecken. Damit existieren zwei unabhängige Übertragungswege für die Kontribution.
Für ausgewählte Top-Spiele wie den Supercup kommt zusätzlich ein weiterer Übertragungsweg hinzu. Vor Ort wird dafür eine SNG-Einheit eingesetzt. Die klassische Satellitenkontribution dient in diesem Fall nicht mehr als primärer Übertragungsweg, sondern als zusätzliche Absicherung.
Der Clean Feed kann dabei zusätzlich auf einen europäischen Satelliten aufgeschaltet werden. Neary: „Fällt ein Kontributionsweg aus, steht somit eine weitere Möglichkeit zur Verfügung, das Signal zur zentralen Produktion beziehungsweise in die Distribution zu bringen.“
Komplexität der Produktion erfordert genaue Abstimmung
Die technische Herausforderung eines Top-Spiels liegt damit nicht allein in der Zahl der Kameras. Entscheidend ist die Summe der beteiligten Produktions- und Übertragungssysteme.
Am Supercup sind unter anderem Sportcast als Host Broadcaster, Produktionsdienstleister, nationale und internationale Rechteinhaber, zentrale Produktionsstandorte, Kontributionspartner, Telekommunikationsanbieter sowie der Video Assistant Referee beteiligt. Hinzu kommen Interviewpositionen, Kommentatoren, Experten und regionale Signalvarianten.
Diese Komponenten müssen in der Planung und im Live-Betrieb aufeinander abgestimmt werden. Gleichzeitig müssen die verschiedenen Signalwege, Kommunikationsdienste und Redundanzen getestet und überwacht werden.
Verglichen mit einer Standard-Partie wächst deshalb nicht nur die Produktionsmannschaft. Auch die Anforderungen an Infrastruktur, Bandbreite, Signalrouting, Monitoring und Betriebssicherheit steigen erheblich. „Wir hatten am Venue rund 260 akkreditierte Personen, die in die Produktion eingebunden waren“, bestätigt Neary.
Ausblick: KI-getriebene Transformation
Die Medienproduktion und -distribution verändert sich durch die Umstellung auf IP-basierte Infrastrukturen und KI-gestützte Technologien gerade mit rasantem Tempo. Die Bundesliga und ihre Stakeholder sind daher ebenfalls Teil eines großen, transformativen Prozesses, der kontinuierliche Anpassungen mit sich bringt. „Gerade im Bereich Automation sehen wir, was jetzt schon alles möglich ist, so Tim Achberger. „Ich kann mir daher sehr gut vorstellen, dass wir in diesem Bereich in Zukunft weitere Lösungen im operativen Prozess sehen werden.“
Seamus Neary ergänzt: „Es ist schon interessant zu sehen, wie automatisierte Systeme inzwischen funktionieren können, und ich bin mir sicher, dass dies ein Weg ist, der weiter beschritten wird. Aber die attraktive und inhaltliche Auflösung eines Live-Geschehens macht viele Dimensionen eines kreativen Prozesses aus . Daher ist weiterhin die menschliche Komponente und Erfahrung mit Blick auf das Endprodukt gefragt.“
KI-Studie: Was passiert im deutschen Profi-Fußball bis 2030?
Das Thema KI beschäftigt die Bundesliga jedoch nicht nur entlang der Media Supply Chain, auch Themen wie Predictive Scouting oder Augmented Coaching stehen auf der Agenda. Gemeinsam mit der WHU - Otto Beisheim School of Management hat die Bundesliga zuletzt die Studie „The Future of Artificial Intelligence in German Professional Football“ veröffentlicht. Dabei wurden 70 KI-Fachleute zu 12 möglichen Einsatzfeldern der KI und deren Wahrscheinlichkeit befragt.
Den Verantwortlichen geht es dabei nicht darum, alle Clubs auf KI zu trimmen, dies wurde bei der öffentlichen Vorstellung der Studie im Vorfeld des Supercups deutlich. Bundesliga-Geschäftsführer Steffen Merkel brachte es auf den Punkt: Die Einführung von KI hänge nicht von den zur Verfügung stehenden Mitteln ab, sondern es gebe für die Clubs unterschiedliche Ansätze. Als Beispiel nannte er etwa Schalke 04, die mit dem Einsatz von KI in einer nicht gerade rosigen Situation begonnen hätten.

Wir dürfen daher sehr gespannt sein, welche der in der Studie vorgestellten Themenfelder es in den nächsten Jahren in den praktischen Einsatz schafft. Wer sich für die gesamte Studie interessiert, kann diese hier herunterladen.
Bilder: Seamus Neary: Sportcast; Aufmacher, Steffen Merkel: Angela Bünger