5G hat in der Liveproduktion längst Einzug gehalten. So nutzen Broadcaster weltweit die Technologie, zum Beispiel für den Einsatz von mobilen Kameras oder in der Remote-Produktion. Die entscheidende Engstelle war jedoch bislang die verfügbare Uplink-Bandbreite in hochausgelasteten Umgebungen. Ein Pilotversuch von Sony und Telefonica in der Madrider Movistar Arena zeigt nun, wie 5G im 26-GHz-Band diese Grenze substanziell verschiebt.
5G‑Netz im 26‑GHz‑Band mit Heavy Uplink
Telefónica betreibt in Spanien ein 5G-Netz im 26-GHz-Band mit 1.000 MHz Spektrum, was etwa zehn herkömmlichen 5G-Netzen im 3,5-GHz-Bereich entspricht. Für den Produktionseinsatz wurde das Netz in einer Heavy-Uplink-Konfiguration betrieben, die Upload-Bandbreiten statt Download priorisiert, wie es im Consumer-Bereich üblich ist. Bei dem Pilotversuch betrugen die gemessenen Upload-Raten über 1,8 Gbit/s innerhalb der Arena, nach Angaben von Telefónica der bislang höchste Wert für kommerzielle 5G-Netze.
Die mmWave-Frequenzen bieten zwar massive Kapazität, sind jedoch physikalisch durch begrenzte Reichweite und hohe Abschirmverluste charakterisiert. Geschlossene Hallenstrukturen wie Arenen eignen sich daher topologisch gut für dichte Small-Cell-Deployments, die genau diese Einschränkungen kompensieren.
Parallelnutzung durch Produktion und Publikum
Auf Applikationsseite integrierte Sony für den audiovisuellen Workflow eine vollständige IP-basierte Produktionskette. Die Systemkamera HXC-FZ90 lieferte 4K-Ultra-HD-Material, das von der Remote Production Unit CBK-RPU7 per HEVC mit bis zu 100 Mbit/s bei niedriger Latenz enkodiert wurde. Der portable Datentransmitter PDT-FP1 übernahm die 5G-Einspeisung; auf Empfangsseite dekodierte der Medienprozessor NXL-ME80 das Signal für den weiteren Workflow.
Ein zentraler Stresstest des Pilotversuchs war die simultane Nutzung durch Tausende Besucher und professionelle Produktionssysteme im selben Netz. Gerade dieser Punkt ist für Venue-Betreiber und Broadcaster technisch kritisch: Ereignisse wie Sportübertragungen generieren zur selben Zeit hohen Consumer-Traffic (Clips, Stories, Streams) und maximale Produktionslast. Dass beide Use Cases ohne Degradierung koexistierten, ist ein valides Argument für mmWave als Produktionsinfrastruktur in Multievent-Venues.
Einordnung und Ausblick
Telefónica hat vergleichbare 5G-TV-Workflows bereits in Fußballstadien, darunter das Riyadh Air Metropolitano und das Abanca-Riazor in A Coruña, sowie beim Acciona Golf-Turnier (2021, erstmals mit 5G-vernetzten Drohnen) erprobt. Die Installation in der Moviestar Arena ist damit Teil einer konsistenten Infrastrukturstrategie des Unternehmens.
Aus technischer Sicht bleibt festzuhalten, dass 5G im 26-GHz-Band mit Heavy-Uplink-Konfiguration die Lücke zwischen Consumer-Konnektivität und professionellen Broadcast-Anforderungen schließen kann. Für Systemintegratoren und Broadcast-Ingenieure bedeutet das konkret, dass drahtlose Multi-Camera-Setups ohne dedizierte Glasfaserinfrastruktur in dicht genutzten Venues realisierbar werden. Natürlich vorausgesetzt, dass Spektrum und Netzarchitektur stimmen.
Bild oben: Sony-Installation in der Moviestar Arena (Quelle: Sony)