„Enabler für technologische Entwicklungen“

Angela Bünger
Im Interview spricht Prof. Dr. Markus Heinker, Dekan und Professor für Medienwirtschaft und Medienpolitik an der Fakultät Medien der Hochschule Mittweida, über den berufsbegleitenden Master Media Production.

FKTG-Journal: Was hat Sie bewogen, diesen berufsbegleitenden Master neu aufzulegen und welche Lücke schließt er in der Medienbranche?

Prof. Dr. Markus Heinker: Das hat zwei wesentliche Aspekte. Zum einen haben wir als Hochschule Mittweida über die letzten Jahrzehnte für Sachsen und darüber hinaus eine hohe Kompetenz für Medienthemen gesammelt, die sich in einer prosperierenden Fakultät mit fast 20 Professoren und sehr vielen Studierenden ausdrückt.

Aber rein räumlich gesehen, befindet sich die Stadt Mittweida nicht unbedingt im Zentrum der Medienbranche. Der neue Studiengang Master Media Production ist unser Arm in die Medienmetropole Leipzig, mit einem Veranstaltungsort in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs. Dadurch ist eine sehr gute Erreichbarkeit, für die berufsbegleitend Studierenden wie auch für die Dozierenden sichergestellt.

Diese beiden Überlegungen, also der Transfer unseres langjährigen Know-hows nach Leipzig und die gute Anbindung standen im Fokus bei der Konzeption dieses neuen Angebots.

Wenn man auf die Inhalte schaut, ist die Medienbranche aktuell enorm dynamischen Entwicklungen unterworfen, sodass wir bestimmte Mechanismen für dieses Projekt herausgelöst haben, die eigentlich im regulären Hochschulbetrieb aus gutem Grund existieren. So schaffen wir es, mit dem Masterstudiengang noch näher an den Medienunternehmen und am Marktgeschehen zu sein.

 

Im MediaTechSpace Leipzig finden die Präsenztermine für den Master Media Production statt – oft auch mit Gastdozierenden aus der Praxis (Bild: © Kordula Schuler)

 

Wie ist der Studiengang thematisch aufgebaut?

Wir fokussieren uns in diesem berufsbegleitenden Studiengang auf drei wesentliche Themenbereiche: Forschen, Führen, Innovationen.

Dabei verstehen wir uns als Enabler für technologische Entwicklungen. Etwas, das im regulären Studienbetrieb manchmal herausfordernd ist, z.B. im Hinblick auf die Geschwindigkeit, mit der Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz voranschreiten. Die Module des Masters wurden bewusst so aufeinander abgestimmt, dass wir sehr schnell auf technologische Innovationen reagieren können.

Angesprochen sind Medienunternehmen, die im operativen Geschäft keine Kapazitäten haben, sich mit Fragestellungen zu beschäftigen, wie: „Wie wirken sich die aktuellen Entwicklungen auf unsere konkreten Produktionsprozesse aus? Was wollen bzw. können wir in unsere Workflows implementieren?“ Mitarbeitende aus der Medienbranche werden in unserem Studiengang also befähigt, diesen Change-Prozess als Chance für das Unternehmen zu verstehen und so den Anschluss zu finden bzw. beizubehalten.

Es geht also nicht nur darum, den Studierenden nach zwei Jahren eine Master-Urkunde zu überreichen, sondern, dass sie als Mitarbeitende ihres Unternehmens eine Schnittstelle zwischen Hochschule und Praxis bilden.

Das führt zu einem hohen Anspruch an die Aktualität, also dem Abbilden jüngster Branchenentwicklungen. Daher sind wir, was die Dozierendenschaft und die Themen angeht, sehr agil. Für die nächste Kohorte, die jetzt ab Oktober beginnt, unterscheiden sich die Inhalte der Module schon erheblich vom Stand des letzten Jahres und auch die Dozenten sind andere.

Eine weitere Besonderheit unseres Praxis-Masters ist die enge Kooperation mit der Medienwirtschaft. Nicht die Hochschule glaubt, den Medienunternehmen erzählen zu können, was sie brauchen, sondern wir haben Kooperationsvereinbarungen mit sehr vielen in Mitteldeutschland ansässigen Medienunternehmen geschlossen. Mit diesen sind wir in engem Austausch, um die Curricula mit Blick auf die neuesten Entwicklungen und die konkreten Bedarfe der Unternehmen auszugestalten.

 

Wie funktioniert das Hybrid-Modell aus Selbststudium und Präsenzphasen in Leipzig genau?

Die Schwierigkeit bei einem berufsbegleitenden Studiengang ist, dass unsere Studierenden in der Regel außerordentlich beruflich beansprucht sind. Für sie ist es wiederum eine große Herausforderung, die Zeiten, die sie fürs Studieren brauchen, freizubekommen. Also haben wir den Studiengang konsequent aus der Perspektive unserer Studierenden gedacht:

Die Lehrveranstaltungen, die in Präsenz in Leipzig stattfinden, haben wir aus Gründen der Vereinbarkeit auf Freitag und Samstag gelegt. Den Sonntag lassen wir bewusst frei, um eventuelle Familie zu berücksichtigen bzw. Selbstlernzeit einzuräumen. Dies wird in unterschiedlicher Dynamik ergänzt durch Online-Lehre, die in den Abendstunden stattfindet.

So haben wir ein Paket geschnürt, von dem wir wissen, dass es auch bei hoher Arbeitsbelastung funktioniert - das hat das erste Jahr bereits gezeigt.

Enge Leitplanken, die es in einem klassischen Vollzeit-Bachelorstudiengang gibt, wo man noch an die Hand genommen wird, sind in unserem Master natürlich nicht so ausgeprägt.

 

Warum wurde bewusst gegen ein reines Fernstudium entschieden?

Weil wir der Ansicht sind, unter anderem aufgrund der intensiven Erfahrungen während der Pandemie, dass bestimmte kommunikative Prozesse im Lernprozess tatsächlich sehr viel besser bei gleichzeitiger körperlicher Anwesenheit aller Beteiligten funktionieren.

Die grundsätzliche Idee des Studiengangs ist ja: ‚hier lernst du nicht nur vom Dozierenden, der vorne steht, sondern auch von den Studierenden, die links und rechts neben dir sitzen‘. Der Austausch unterschiedlicher Perspektiven ist extrem wichtig.

Wir haben zum Beispiel Studierende vom Mitteldeutschen Rundfunk genauso wie von RB Leipzig, also zum einen die redaktionell-journalistische Perspektive und die aus einem Medienhaus, wo der Fokus mehr auf Public Relations liegt.

Aus eigener Erfahrung als Dozent ist es unglaublich bereichernd, zwischen den Studierenden zu sitzen, die eine eigene Berufserfahrung mitbringen und alles, was inhaltlich besprochen wird, noch mal ganz anders kritisch durch den Filter ihrer eigenen Erfahrungen laufen lassen, als ein klassischer Bachelorstudent das tun könnte.

 

Was unterscheidet den Studiengang inhaltlich vom parallel angebotenen Master „Media Management and Technology“?

Zunächst die Studierbarkeit, denn der Master Media Production ist ausdrücklich berufsbegleitend angelegt. Der Praxisbezug ist zudem noch höher, denn die Dozentinnen und Dozenten kommen praktisch aus der Werkhalle zu uns in die Lehrveranstaltung und geben ihr tagesaktuelles Know-how weiter. Und natürlich der Studienort Leipzig.

 

Welche Rolle spielt der Austausch unter den Studierenden, die ja selbst bereits Berufserfahrung mitbringen?

Das ist außerordentlich wichtig. Ich hatte es ja schon kurz geschildert, wie sehr das die Reflexions- und Diskussionsprozesse, die ganz wichtige Elemente des Lernens sind, befördert. Es geht nicht darum, dass sich jemand auf sein späteres Berufsleben vorbereitet, sondern sich mit bestimmten Inhalten auseinandersetzt und persönliche berufliche Erfahrungen sowie Kenntnisse, die im eigenen Unternehmen bereits genutzt werden mit einbringt. Das ist ein wesentliches Element und macht den Lernprozess sehr viel produktiver.

Damit will ich die Bachelorstudiengänge keinesfalls abwerten. Ein Bachelorstudiengang hat eben eine andere Aufgabe, dieser soll zum Beruf hinführen. Wenn ich beide miteinander vergleiche, ist die Lernkurve durch die beruflichen Erfahrungen natürlich viel steiler als in einer klassischen Vorlesung. Da liegt ein der Mehrwert unseres berufsbegleitenden Masters.

 

Welche beruflichen Perspektiven eröffnet der Abschluss konkret – auch mit Blick auf den KI-Wandel in der Branche?

In der Praxis lässt sich das erst prüfen, sobald die ersten AbsolventInnen den Studiengang im Sommer 2027 verlassen. Meine Prognose ist, dass wir dann sehr viele neue Rollen wie AI Supervisor und ähnliches sehen, weil wir durch den engen Austausch mit den Medienunternehmen wissen, dass tatsächlich die Adaption dieser Themen im Medienunternehmen gerade für alle gleichmäßig eine sehr große Herausforderung darstellt. Menschen, die speziell darauf trainiert und ausgebildet sind, sind rar gesät.

Insofern ist die Erwartung wie das Ziel des Studiengangs, dass wir kein für immer festgelegter KI-Studiengang sind, sondern der Branche kontinuierlich den Puls fühlen und unser Lehrangebot entsprechend weiterentwickeln. Aber im Moment lautet die Antwort natürlich ganz klar KI.

 

Was würden Sie jemandem sagen, der zögert, Studium und Job parallel zu stemmen?

Wenn jemand in einer beruflichen Position ist, die er nicht aufgeben möchte und trotzdem den Bedarf hat, sich weiterzubilden, haben wir mit diesem Studiengang meiner Ansicht nach ein aktuell deutschlandweit einzigartiges Angebot geschaffen, das aus Studierendenperspektive entwickelt wurde und so auch die Studierbarkeit neben dem Beruf sicherstellt.

 

Herr Prof. Dr. Heinker, vielen Dank für das Gespräch.

 

Infobox Studiengang M.A. Media Production

Abschluss: Master of Arts (M.A.)

Fakultät: Medien

Studienform: Berufsbegleitend (Teilzeit)

Regelstudienzeit: 4 Semester

Studienbeginn: Winter- oder Sommersemester

ECTS: 90 ECTS im Studium (weitere 30 durch Anerkennung von Berufspraxis oder Vorprojekt – insgesamt 300 ECTS inkl. Bachelor erforderlich)

Studienort: MediaTechSpace, Leipzig

Sprache: Deutsch

Studiengebühren: Keine

Zulassungsvoraussetzungen: Erster berufsqualifizierender Hochschulabschluss (≥ 180 ECTS) sowie mind. 1 Jahr Berufserfahrung (Ausnahmen möglich)

Zugangsbeschränkung: Keine

Studienformat: Kombination aus Online-Selbststudium und Präsenzterminen außerhalb der Kernarbeitszeiten

Schwerpunkte: Innovation, Technologie, Leadership; Themen wie Virtual Production, Augmented Reality, Künstliche Intelligenz

Berufsfelder: Producer, Geschäftsführung, Produktmanager/Product Owner, Leitung Innovation Labs, Gründer:in Media-Start-up

 


Bild oben: Prof. Dr. Markus Heinker (Bild: © Jörg Singer)

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