RTL News hat seine zentrale Tonregie 1 (TR 1) in Köln-Deutz umfassend modernisiert. Eine IP-basierte Architektur ersetzt die bisherige Baseband-Infrastruktur. Diese basiert auf Audiotechnik von Lawo und der Managementplattform HOME. Neben dem Austausch des Mischpults gehörten auch Arbeiten an einer neuen Abhörumgebung, eine überarbeitete Signalverteilung und die Umstellung auf 5.1-Surround-Produktion dazu. Die neue Regie ist für Nachrichten-, Magazin- und Sportproduktionen ausgelegt.
Damit erweitert RTL News eine bereits bestehende Lawo-Umgebung. Vier weitere Tonregien waren zuvor mit mc²56-Konsolen und der HOME-Plattform ausgestattet worden. Die TR 1 ergänzt diese Infrastruktur und soll zusätzliche Möglichkeiten für die Vernetzung und flexible Zuordnung von Produktionsressourcen schaffen.
Konsolidierung der Audiotechnik
Bestandteil der Modernisierung war es, externe Hardware zu reduzieren. Funktionen wie automatisierte Pegelregelung, Signalbearbeitung und Routing, die man zuvor teils über separate Geräte realisierte, sind nun in die Produktionsplattform integriert. Als spezialisierte Systeme verbleiben unter anderem Cedar zur Rauschunterdrückung und Waves SuperRack für erweitertes Plug-in-Processing.
Die Waves-Plug-ins sind in den Bedienablauf des Mischpults eingebunden und lassen sich direkt über die Konsole steuern. Damit können Toningenieure auf zentrale Bearbeitungsfunktionen zugreifen, ohne zwischen verschiedenen Bedienoberflächen wechseln zu müssen.
Die Umstellung auf 5.1-Surround erweitert zugleich die Produktionsmöglichkeiten. RTL- und ntv-Formate können damit mehrkanalig produziert und ausgespielt werden. Dafür wurden neben der Signalverarbeitung auch die Abhörbedingungen der Regie angepasst.
mc²96 für komplexe Live-Produktionen
Als zentrale Bedienoberfläche kommt eine mc²96 Grand Production Console von Lawo zum Einsatz. RTL News setzt damit auf ein System, mit dem das Unternehmen bereits durch den Betrieb mehrerer mc²56-Konsolen Erfahrungen gesammelt hat. Die mc²96 kombiniert großformatige Touchscreens mit dedizierten Bedienelementen für den direkten Zugriff auf wichtige Mischpultfunktionen.
Equalizer, Dynamikbearbeitung, Monitoring und Routing sind laut Hersteller unmittelbar erreichbar. Das ist bei Nachrichten- und Magazinproduktionen relevant, in denen sich akustische Bedingungen während einer Sendung kurzfristig ändern können. Unterschiedliche Mikrofontypen, spontane Schaltgespräche oder ungünstig positionierte Lavaliermikrofone erfordern eventuell schnelle Korrekturen an Pegel und Klang. Der direkte Zugriff auf die entsprechenden Parameter soll solche Eingriffe ermöglichen, ohne den laufenden Produktionsablauf unnötig zu unterbrechen.
Auf Protokollebene unterstützt die mc²96 SMPTE ST 2110, AES67, RAVENNA und Dante. Damit ist die Konsole für den Einsatz in IP-basierten Audio- und Broadcast-Umgebungen ausgelegt und kann unterschiedliche standardisierte Transport- und Vernetzungskonzepte unterstützen.
DSP-Ressourcen für hohe Kanalzahlen
Die Anforderungen an die Signalverarbeitung ergeben sich nicht allein aus dem täglichen Nachrichtenbetrieb. Bei umfangreichen Sportproduktionen können einschließlich der Kommandoverbindungen bis zu 600 Audiosignale gleichzeitig anfallen. Für die erforderliche Verarbeitung setzt RTL News ein redundantes Paar von Lawo A__UHD Cores ein.
Die Core-Systeme stellen die DSP-Ressourcen für die Audiobearbeitung bereit. Ihre Rechenkapazität lässt sich auf mehrere DSP-Instanzen verteilen. Dadurch können Ressourcen entsprechend den jeweiligen Produktionsanforderungen zugewiesen werden. Neben der Versorgung der TR 1 ermöglicht diese Architektur, weitere Audioproduktionen in anderen Regieräumen über dieselbe Core-Infrastruktur zu betreiben.
Die Redundanz der Core-Systeme ist ein Bestandteil des technischen Ausfallschutzes. Zusammen mit der IP-basierten Signalverteilung entsteht eine Architektur, in der sich Produktionsressourcen flexibler zuweisen und bei Bedarf auf andere Arbeitsplätze oder Regien umschalten lassen.
Migration bei laufendem Sendebetrieb
Die technische Umstellung musste unter laufenden Produktionsbedingungen erfolgen. Um Risiken bei der Migration zu reduzieren, installierten RTL News und Lawo die neue Konsole zunächst in Tonregie 5. Dort wurden die Konfiguration, die Signalwege und die neue Infrastruktur unter realen Betriebsbedingungen geprüft.
Nach einer mehrwöchigen Test- und Trainingsphase übernahm die temporär genutzte Regie bereits reguläre Produktionen. Erst anschließend wurde die bisherige TR 1 vollständig umgebaut. Nach Abschluss der Arbeiten zog die mc²96 an ihren endgültigen Standort um. Seit August läuft der reguläre Sendebetrieb aus der modernisierten Tonregie 1.
IP-Architektur als Grundlage für weitere Ausbaustufen
Die neue Infrastruktur basiert auf Lawo-A__stage-I/O-Systemen, IP-Audiostreams und der HOME-Plattform für das Management der IP-Umgebung. Sie ersetzt die bisherige Baseband-Lösung und verändert damit nicht nur die Signalübertragung, sondern auch die Möglichkeiten zur Verwaltung und Zuordnung technischer Ressourcen.
Die Modernisierung der TR 1 ist damit Teil einer schrittweisen Umstellung auf IP-basierte Produktionsabläufe bei RTL News. Die Kombination aus mc²96, A__stage-I/O-Systemen, A__UHD Cores und HOME schafft die technische Grundlage für eine gemeinsame, flexibel nutzbare Audioproduktionsumgebung. Neben der erweiterten Kanalverarbeitung und der Einführung von 5.1-Surround stehen dabei die Integration der Signalbearbeitung, die flexible Ressourcenzuweisung und die Möglichkeit zur Anpassung an unterschiedliche Produktionsgrößen im Vordergrund.
Bild oben: Gerhard Ruberg, RTL News