Avid (Stand 7.B59) stellt die nächste Entwicklungsstufe von Media Composer vor. Im Mittelpunkt stehen dabei weniger einzelne KI-Features, sondern eine stärkere Einbettung von künstlicher Intelligenz und Workflow-Intelligenz in die bestehende Editing-Umgebung. Parallel dazu erweitert die Version Media Composer 2026.8 die Möglichkeiten für kollaborative Workflows und öffnet die Plattform stärker für vorhandene Storage-Infrastrukturen.
Agentic AI soll die Vorbereitung automatisieren
Ein Schwerpunkt des Messeauftritts ist Avids Konzept für sogenannte agentic Workflows. Dabei soll KI nicht lediglich einzelne, isolierte Aufgaben übernehmen, sondern mehrere Arbeitsschritte innerhalb eines Produktions-Workflows orchestrieren.
Mit Ready to Edit zeigt Avid dafür eine neue agentic Funktion zur Content-Vorbereitung. Sie soll wiederkehrende und vorbereitende Tätigkeiten beschleunigen, ohne dem Editor die kreative Kontrolle über den eigentlichen Schnitt zu entziehen.
Die technische Basis dafür bildet unter anderem eine engere Integration des Avid Content Core in Media Composer. Der Content Core soll dabei Informationen über Medien, Metadaten und den Produktionskontext direkt im Editing-System verfügbar machen. Anwender können damit auf Assets aus dem größeren Media-Umfeld zugreifen, sie durchsuchen und in den bestehenden Workflow übernehmen, ohne die gewohnte Media-Composer-Oberfläche verlassen zu müssen.
Ergänzt wird dies durch eine neue Orchestrierungsebene für agentic AI sowie ein integriertes Google-Gemini-Panel. Avid verfolgt damit einen Ansatz, bei dem KI stärker mit dem vorhandenen Content und Workflow verknüpft wird, anstatt lediglich zusätzliche Einzelwerkzeuge in die Oberfläche zu integrieren.
Shared Projects werden offener
Mit Media Composer 2026.8 erweitert Avid außerdem die Möglichkeiten von Media Composer Shared Projects. Die Funktion ist nun ab der Standard-Variante in Verbindung mit Avid NEXIS verfügbar. Damit wird der kollaborative Workflow über mehrere Systeme und Standorte hinweg einem größeren Anwenderkreis zugänglich.
Interessanter für größere Postproduktionsumgebungen ist die Öffnung für Third-Party Storage. Enterprise-Kunden können Shared Projects künftig auch mit qualifizierten Storage-Lösungen von Drittanbietern betreiben. Damit löst sich die Kollaboration in Media Composer ein Stück weit von der bisherigen Bindung an NEXIS.
Gerade für Produktionshäuser mit heterogenen Storage-Umgebungen kann dies relevant sein. Bestehende Infrastruktur muss nicht zwangsläufig durch Avids eigenes Shared-Storage-System ersetzt werden, um die kollaborativen Funktionen von Media Composer zu nutzen.
Avid positioniert NEXIS weiterhin als eng integrierte Storage-Basis für Media-Composer-Workflows. Gleichzeitig soll die Unterstützung externer Storage-Systeme Enterprise-Installationen mit verteilten und komplexeren Infrastrukturen mehr Spielraum geben.
Neue Produktstaffelung
Mit Version 2026.8 strukturiert Avid zudem die Media-Composer-Familie neu beziehungsweise klarer. Media Composer First dient als kostenloser Einstieg für Nachwuchs-Editoren, Studierende und Einsteiger. Darüber folgen Standard, Ultimate und Enterprise mit jeweils erweiterten Funktionen.
Damit soll transparenter werden, welche Funktionen in welcher Produktstufe enthalten sind und wann für zusätzliche Funktionen oder Kollaborationsmöglichkeiten ein Upgrade erforderlich ist.
PhraseFindAI automatisiert Multicam-Schnitt
Auch abseits der großen Architekturthemen soll die neue Version konkrete Verbesserungen für den Editing-Alltag bringen.
Eine der Neuerungen ist PhraseFindAI Multicam Auto Cut. Die Funktion analysiert die Sprecher in einem Multicam-Setup und wählt auf dieser Basis die jeweiligen Kameraperspektiven aus. Die Umschnitte werden dabei an Sprachgrenzen gesetzt.
Damit lässt sich beispielsweise bei Interview-, Talk- oder Panel-Produktionen ein erster Multicam-Schnitt automatisieren. Wichtig für den professionellen Einsatz: Das Ergebnis bleibt editierbar und kann anschließend wie ein herkömmlicher Schnitt weiterbearbeitet werden. Die Funktion soll damit vor allem die mechanische Auswahl von Kameras reduzieren, nicht die kreative Entscheidung des Editors ersetzen.
Transcript-Workflow wird ausgebaut
Auch die Transkriptionsfunktionen von Media Composer erhalten zusätzliche Werkzeuge. Transcript Tools unterstützen nun unter anderem das Zurücknehmen von Transkriptänderungen, das Aufteilen von Segmenten und eine kontinuierliche Wiedergabe im Viewer.
Das zielt vor allem auf Workflows, bei denen Transkripte nicht nur als Suchhilfe dienen, sondern unmittelbar für die inhaltliche Vorbereitung und Strukturierung des Schnitts verwendet werden.
Bessere Interoperabilität mit OpenTimelineIO
Für den Austausch mit anderen Postproduktionssystemen aktualisiert Avid den OpenTimelineIO-Adapter auf Version 2.0. Laut Avid wurden unter anderem Testabdeckung und Round-Trip-Fidelity verbessert.
OpenTimelineIO (OTIO) dient als standardisiertes Format beziehungsweise Framework für den Austausch von Timeline-Informationen zwischen unterschiedlichen Anwendungen. Verbesserungen beim Round-Trip können insbesondere dann relevant sein, wenn Projekte zwischen Media Composer und Drittanbieter-Tools ausgetauscht und anschließend wieder zurückgeführt werden.
Damit adressiert Avid einen zentralen Punkt moderner Postproduktionsketten: Editing findet zunehmend nicht mehr innerhalb einer einzigen Softwareumgebung statt.
Weitere Workflow-Verbesserungen
Daneben enthält Media Composer 2026.8 eine Reihe kleinerer Funktionen und Optimierungen. Dazu gehören die Choose Bin Column Search für eine präzisere Suche in Bins, Swap Audio Track from Subclip für mehr Flexibilität bei der Audiobearbeitung sowie Verbesserungen bei der Titler+-Keyframe-Rectification.
Erweiterte APIs sollen zudem Automatisierung und die Integration externer Systeme erleichtern.
Eine neue What's New Window informiert direkt in Media Composer über neue Funktionen und verlinkt auf Dokumentation und Lernmaterial. Das ist insbesondere in größeren Installationen interessant, in denen neue Softwareversionen nicht zwangsläufig unmittelbar von allen Anwendern vollständig genutzt werden.
Browserbasiertes Editing als Ergänzung zum Desktop
Auf der Messe gibt Avid außerdem einen Ausblick auf browserbasierte Media-Composer-Workflows. Ausgangspunkt sind webbasierte Editing-Funktionen innerhalb des Avid Content Core.
Avid versteht diesen Ansatz nach eigenen Angaben nicht als Ersatz für den klassischen Desktop-Editor. Vielmehr sollen Aufgaben wie Review, Content-Vorbereitung und der Zugriff auf Medien künftig auch im Browser möglich sein, bevor für anspruchsvollere Editing-Aufgaben in die Desktop-Umgebung gewechselt wird.
Bild oben: Avid