Qvest (Stand 10.C24) präsentiert gemeinsam mit mehreren Technologiepartnern eine Referenzimplementierung der Dynamic Media Facility (DMF). Der Showcase orientiert sich an der von der European Broadcasting Union (EBU) entwickelten DMF-Architektur und soll zeigen, wie sich eine offene, interoperable und softwaredefinierte Produktionsumgebung mit Komponenten verschiedener Hersteller realisieren lässt.
Gemeinsame Infrastruktur für unterschiedliche Media Functions
Im Mittelpunkt des Showcases steht eine Produktionsumgebung, in der Rechenleistung, Medienverarbeitung, Audio, Monitoring und Lifecycle-Management als gemeinsam nutzbare Ressourcen bereitgestellt werden. Die einzelnen Funktionen sind dabei nicht fest einer bestimmten Produktionsumgebung oder einem einzelnen Workflow zugeordnet.
Die Referenzimplementierung kann sowohl auf Standard-Hardware als auch in Cloud-Umgebungen betrieben werden. Ziel ist eine dynamische Zuordnung der verfügbaren Ressourcen zu den jeweils benötigten Media Workloads. Damit soll sich eine Infrastruktur flexibler auslasten lassen als bei einer statischen Zuordnung von Hardware zu einzelnen Produktionssystemen.
Compute- und Netzwerkinfrastruktur
Die Compute-Ebene des Showcases basiert auf zwei Servern mit Intel Xeon Prozessoren. Zum Einsatz kommen Netzwerkschnittstellen der Intel-E800-Serie mit Unterstützung für SMPTE ST 2110 und RDMA. Die Systeme bilden die Grundlage für die Ausführung und dynamische Orchestrierung der softwaredefinierten Media Workloads.
Die Netzwerkebene stellt NETGEAR mit dem Switch M4350-40X4C bereit. Das Gerät verfügt über 40 10-GbE-Ports und 100-GbE-Uplinks. Darüber werden unkomprimierte ST-2110-Medienströme sowie Steuerungs-, Orchestrierungs- und Management-Daten innerhalb einer gemeinsamen Netzwerkstruktur transportiert.
Media Functions und MXL
Für die Medienverarbeitung kommen verschiedene softwarebasierte Media Functions zum Einsatz. Matrox Video integriert mit Matrox ORIGIN ein asynchrones Media Framework. Neben Medienverarbeitungsfunktionen umfasst es einen Kubernetes-nativen Operator zur Planung von Media Tasks.
Riedel nutzt Container und MXL-Replikation, um bestehende Workflows in die DMF-Umgebung einzubinden und eine Verarbeitung über mehrere Nodes zu ermöglichen. Techex bringt mit tx darwin eine native Software-Processing-Plattform ein. Deren MXL-basierte Funktionen umfassen unter anderem Standardkonvertierung, Switching und Kompression.
Auch die Anbindung von SRT-basierten Quellen ist Bestandteil des Aufbaus. Ross Video stellt hierfür eine SRT-to-MXL Media Function bereit, mit der Contribution-Feeds auf Basis von SRT in die MXL-basierte DMF-Umgebung integriert werden können.
Orchestrierung und Lifecycle-Management
Die Steuerung der technischen und operativen Ressourcen übernimmt Skyline Communications mit der Plattform DataMiner xOps. Sie ermöglicht die Planung von Events und die automatisierte Orchestrierung innerhalb der Umgebung. Dazu gehört auch die Verwaltung des Lebenszyklus dynamisch bereitgestellter Media Functions.
Damit bildet die Orchestrierung eine zentrale Ebene der DMF-Architektur: Benötigte Funktionen können entsprechend dem jeweiligen Produktionsszenario bereitgestellt und Ressourcen verschiedenen Workflows zugeordnet werden.
Monitoring und Audioverarbeitung
Für Monitoring und Quality Control kommt TAG Video Systems mit TAG Core zum Einsatz. Die softwarebasierte Plattform überwacht MXL-, ST-2110-, komprimierte und OTT-Signale und stellt diese für die Operatoren dar.
Die Audioverarbeitung wird durch Lösungen von Telos Alliance ergänzt. Minnetonka Audio UPMAX übernimmt die Verarbeitung für immersive Audioformate bis 5.1/7.1.4. Minnetonka Audio ARC dient der normgerechten Lautheitsbearbeitung. Beide Anwendungen können als containerisierte Media Functions in der DMF-Umgebung betrieben werden.
Telestream integriert mit seiner Pulse-Plattform MXL-basierte ST-2110-Medienströme in die DMF-Umgebung. Für die Überwachung stehen unter anderem Waveform- und Vektorskop-Darstellungen zur Verfügung.
Wavelet Beam steuert mit IRIS-VIDEO eine GPU-beschleunigte Denoising-Lösung bei. Sie entfernt Sensorrauschen und Kompressionsartefakte vor der Kodierung. Dadurch kann die für die Übertragung beziehungsweise Speicherung erforderliche Videobandbreite reduziert und die Kompressionseffizienz erhöht werden.
Bezug zur EBU-DMF-Architektur
Die Dynamic Media Facility der EBU verfolgt einen Ansatz für softwaredefinierte Produktionsumgebungen, in denen gemeinsam genutzte Ressourcen und herstellerübergreifende Interoperabilität eine zentrale Rolle spielen. Qvest beteiligt sich nach eigenen Angaben an der AMWA-EBU JT-DMF Task Force und am Linux Foundation MXL Project.
Der auf der IBC gezeigte Aufbau soll dabei nicht ausschließlich als Demonstrator dienen. Das Unternehmen bezeichnet ihn als Referenzimplementierung, mit der sich die Interoperabilität der beteiligten Komponenten praktisch überprüfen und Integrationsfragen in einer Multi-Vendor-Umgebung untersuchen lassen. Damit soll der Showcase auch als Grundlage für die weitere Umsetzung von DMF-Konzepten in realen Produktionsumgebungen dienen.
Bild oben: Qvest