Eine aktuelle Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Nature Climate Change beschäftigte sich mit der Rolle der klassischen Rundfunkmedien in der Kommunikation des Themas Klimawandel. Für die Studie wurde das Fernsehprogramm von 20 öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern im Zeitraum vom 1. September bis 1. November 2022 in Deutschland untersucht. Ergänzt wurde die Analyse durch eine repräsentative Zuschauerbefragung mit 1.445 Teilnehmenden. Ein interdisziplinäres Team unter Leitung der Kommunikationswissenschaftlerinnen Prof. Dr. Imke Hoppe (Ludwig-Maximilians-Universität München) und Prof. Dr. Irene Neverla (Universität Hamburg/Freie Universität Berlin) analysierte rund 23.478 Stunden Fernsehprogramm.
KI-gestützte Analyse von knapp 1,8 Millionen Sendeminuten
Die Forschenden kombinierten dazu klassische sozialwissenschaftliche Methoden mit hochentwickelten KI-basierten Bild- und Audioanalyseverfahren des Fraunhofer IDMT. Mit Hilfe der intelligenten Textauswertung sowie den Verfahren zur automatisierten Gesichtsanalyse und zur systematischen Transkription von gesprochenem Text konnten die riesigen Datenmengen (ungefähr 1,8 Millionen Sendeminuten) ausgewertet werden.
Die Studie kam zu dem Schluss, dass für das Thema Klimawandel das Fernsehen in Deutschland noch immer zu den wichtigsten Informationsmedien gehört. Jedoch würden entsprechende Fernsehinalte vorrangig nachrichtenaffine Zielgruppen erreichen. Desinteressierte oder skeptische Gruppen kämen kaum mit dem Thema in Kontakt.
Information zum Projekt
Das Studiendesign und Gesamtleitung lagen in der Hand von Frau Professorin Imke Hoppe (LMU München) und Frau Professorin Irene Neverla (Universität Hamburg / Freie Universität Berlin).
Für die automatisierte Inhaltsanalyse der Keywords und Inhalte war Felix Dörpmund (LMU München / CDTM) zuständig.
Die Datenerhebung und die Entwicklung eines Data-Management-Frameworks verantwortete Dr. Christian Weigel, die KI-basierte Gesichtsanalyse Dr. Alexander Loos und die Automatische Speech-to-Text-Generierung Stephanus Volke (alle Fraunhofer IDMT Ilmenau und Oldenburg).
Die konzeptionelle Mitwirkung und wissenschaftliche Begleitung erfolgte durch Prof. Dr. Matthias Garschagen (LMU München), Dr. Thomas Kox (Weizenbaum Institut Berlin) und Dr. Jens-E. Appell (Fraunhofer IDMT).
Die Datenerhebung wurde durch ARD, ZDF, Pro7Sat1 und RTL Deutschland ermöglicht. Förderpartner war die MaLisa Stiftung.
Die Untersuchung ist als Open-Access-Publikation erschienen:
Bild oben: Pixabay/Markus Kammermann