Norderney, 1954. Ein Junge wächst auf zwischen Musik und Malerei. Sechzig Jahre später hat dieser Mann mehr als vierzig Filmen mit seiner Bildästhetik geformt.
Torsten Breuer bekommt in diesem Jahr den Ehrenpreis des Deutschen Kamerapreises. Das Kuratorium führt als Begründung die Verbindung aus stilistischer Vielfalt und technischer Meisterschaft an. Zusammen mit seinen Anfängen als Filmkomponist mache ihn sein Gesamtwerk zu einer herausragenden Persönlichkeit seines Fachs. Breuer selbst erklärt seine Arbeit so: „Die Arbeit mit der Kamera ist wie Musik. Es geht um Rhythmus, Bewegung und Choreografie." Eine statische Kamera, sagt er, bereite ihm Probleme.
Arbeiten von Torsten Breuer
Der Alumnus der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München traf dort Katja von Garnier. Zusammen entstanden „Abgeschminkt“ (1992), „Bandits“ (1997) und später die Scorpions-Dokumentation „Forever and a Day“ (2015). Mit Caroline Link realisierte er „Pünktchen und Anton“ (1998), mit Marcus H. Rosenmüller „Schwere Jungs“ (2007) und „Beckenrand Sheriff“ (2021). Mit Dennis Gansel schuf er Bilder für „Napola“ (2004), „Die Welle“ (2007) und "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ (2018). Mit Michael Bully Herbig arbeitete Torsten Breuer an den Komödien „Buddy“ (2013) und „Bullyparade – Der Film“ (2017), am Fluchtdrama „Ballon“ (2018) und an „Tausend Zeilen“ (2022). Den Deutschen Kamerapreis selbst gewann er bereits 2011, für „Jerry Cotton“. Zu seinen Fernseharbeiten gehören unter anderem die ZDF-Krimiserie „Kommissarin Lucas“ mit Ulrike Kriener.
In den frühen neunziger Jahren komponierte Breuer auch Filmmusik. Sönke Wortmanns Kassenschlager „Der bewegte Mann“ (1994), „Kleine Haie“ (1992), „Allein unter Frauen“ (1991) – die Musik kam von Breuer.
Über die Wahl seiner Projekte sagt er: „Ich habe mein ganzes Leben nur Filme gemacht, die mir etwas bedeutet haben." Selbst in schlechten Zeiten, wenn das Geld fehlte, lehnte er Drehbücher ab, die ihn nicht packten. Der Ehrenpreis des Deutschen Kamerapreises würdigt genau das: nicht den einzelnen Film, sondern das kontinuierliche, richtungsweisende Schaffen über Jahrzehnte.
36. Deutscher Kamerapreis
Die Verleihung des 36. Deutschen Kamerapreises findet am 8. Mai 2026 im WDR-Funkhaus in Köln statt. 35 Kameraleute und Filmeditoren sind in sieben Kategorien nominiert.
Bild: WDR/Tom Trambow