Das private TV-Museum Ense (MSE) unter Leitung von Arne Kaiser weist inzwischen eine bedeutende Sammlung der TV-Technik, beginnend mit den 1940er Jahren bis hin zur europäischen HDTV-Entwicklung ab den 1980er–Jahren, auf und wächst stetig. Das FKTG-Journal berichtete über das jährlich stattfindende Sommerfest.
Nun wurde einem besonderen Projekt des Museums eine Förderung der NRW-Stiftung zuteil: Die Herausforderung der Restauration einer 2-Zoll-Magnetbandmaschine (MAZ) vom Typ RCA TR70. Ziel der Gruppe um Arne Kaiser, bestehend aus S. Nouri, Dr.-Ing. M. Klinger und M. Göritz, ist es, dass die Maschine wieder so läuft, wie in den 1960er- und 1970er-Jahren.

Eine Tonne Fernsehgeschichte
Derartige MAZen wogen rund eine Tonne, kosteten etwa eine Million D-Mark und die Bänder – je nach Aufnahmezeit – wogen zwischen fünf und zehn Kilogramm. Diese Maschinen speicherten Sendungen in der damals bestmöglichen Qualität für die Nachwelt. Darunter waren zum Beispiel frühe Folgen der „Hobbythek“ mit WDR-Legende Jean Pütz, die ersten Folgen der „Sendung mit der Maus“, „Klimbim“ oder der WDR-Klassiker „Ein Herz und eine Seele“.
Die Regionalbotschafterin der NRW-Stiftung, Angelika Hummelsheim, überreichte in Anwesenheit von Vertretern der Politik, der Wissenschaft und des Freundeskreises des TV-Museums den Förderbescheid in Höhe von 15.000 Euro. Ehrengast war Jean Pütz, der das Projekt von Beginn an unterstützte und von seinen Erfahrungen mit dieser TV-Aufzeichnungstechnik zu Beginn des Wissenschaftsfernsehen beim WDR berichtete. Pütz: „Dieser Maschine, die ihr jetzt restaurieren werdet, verdanke ich meine Fernsehkarriere!“
Angelika Hummelsheim betonte die kulturhistorische Einmaligkeit dieses Projektes: Durch die Wiederherstellung der TR70 wird es unter anderem möglich, alte 2-Zoll-Aufnahmen wieder zugänglich zu machen, die nicht auf neuere Formate umkopiert wurden. Ferner kann das Ziel des Museums, eine vollständige Produktionskette auf Basis der Technik der 1970er Jahre funktionsfähig zu haben, erreicht werden.
Grundstein für „PAL“-Tauglichkeit in NRW gelegt
Von besonderer Bedeutung für die Entscheidung zur Förderung war allerdings, dass die Grundlagenentwicklungen, um diese amerikanische Maschine für das deutsche Farbfernsehsytem „PAL“ tauglich zu machen, in NRW erfolgte. Unter der Leitung von Prof. Dr. In der Smitten, von 1979 bis 1990 erster Vorsitzender der FKTG, gelang es im Farbfernseh-Versuchslabor des Westdeutschen Rundfunks, das von den frühen 1960er Jahren an bis Mitte der 1970er Jahre in Köln-Ehrenfeld existierte, eine der im WDR vorhandenen Schwarzweiß-Maschinen vom RCA Typ TR 22 für das deutsche Farbfernsehsystem nutzbar zu machen.
Die ersten Testaufnahmen mit dieser modifizierten Anlage wurden – wie sollte es in Köln anders sein – beim Rosenmontagszug durchgeführt. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse flossen in die Version der – nun zur Restauration anstehenden – TR 70 für den europäischen Markt ein. Die enge Zusammenarbeit mit der amerikanischen Firma RCA führte dazu, dass der WDR die einzige bundesdeutsche Rundfunkanstalt war, die im Video-Aufzeichnungsbereich bis Ende der 1970er Jahre ausschließlich auf RCA-Technik setzte.
Das Team um Arne Kaiser geht davon aus, dass ca. 400 Stunden zur Restauration erforderlich sein werden, bis die Maschine wieder funktionsfähig ist. Dabei ist ein wesentlicher Zeitanteil auch für die Herstellung von mechanischen Komponenten vorgesehen sowie der Entfernung der jahrzehntealten Patina im Inneren des Gerätes.
Aufmacher: Arne Kaiser und Angelika Hummelsheim bei der Überreichung des Förderbescheids (Quelle: Stephan Breide)