Wie hast Du die Stimmung und den Austausch auf der MediaTech Hub Conference 2026 erlebt?
Die Stimmung war hervorragend, fast schon euphorisch. Der Mix aus deutschem und internationalem Publikum, aus Produktionshäusern, Broadcastern, Start-ups und Dienstleistern war klasse. Die überschaubare Größe der Veranstaltung und die Konferenz-App machten Networking leicht – viele gute Gespräche fanden zwischen den Sessions statt.
Gastland war Großbritannien: Neben spannenden Einblicken von BBC, Sky und ITV Studios haben die Briten mit einem schottischen Frühstück gepunktet. Und trotz des hohen Veränderungstempos war der Grundton zuversichtlich: „Less fear, more fun“. KI soll für die Kreativen arbeiten, nicht umgekehrt.
Welche Themen und Entwicklungen wurden auf der Konferenz aus Deiner Sicht besonders intensiv diskutiert?
Über 80 Speakerinnen und Speaker, zwei Bühnen, viele Themen, doch zwei zogen sich durch beide Tage: KI und europäische Mediensouveränität.
KI wurde auf allen Ebenen beleuchtet. Wie verändern sich Jobs in der Medienbranche, und wie wandelt sich die Rolle der Führungskraft vom fachlichen Lead hin zu mehr Empathie und Soft Skills? In der Lehre wird kritisches Hinterfragen zur Kernkompetenz – Lehrende müssen vor allem Austausch, Diskussion und den Umgang mit Feedback fördern.
Im Journalismus ging es um KI-Agenten als neue Gatekeeper: Sie lesen journalistische Inhalte und fassen sie für die Nutzer zusammen. Das Vertrauen in den Absender könnte damit bald wichtiger werden als die Frage, wie ein Inhalt entstanden ist. In Film und Produktion sprach sich Jörg Bachmaier (Studio Babelsberg) für hybride Produktion aus: Der Mensch im Mittelpunkt, unterstützt durch KI. Spannend auch das Thema Discovery: Laut Gracenote [1] suchen Zuschauer im Schnitt knapp 14 Minuten, bevor sie passenden Content finden. Daraus ergeben sich zwei Fragen: Wo findet diese Suche statt, und wie mache ich meine Inhalte genau dort sichtbar?
Das zweite große Thema war die digitale Souveränität. Keynote-Speakerin Marion Ranchet brachte es auf den Punkt: Europäische Medien besitzen das Vertrauen ihres Publikums, mieten aber die Infrastruktur, um es zu erreichen – und mit jedem Werbe-Euro, der online wandert, verdienen vor allem US-Plattformen mit.
Vollständige Souveränität sei kaum erreichbar; umso wichtiger ist selektive Souveränität: jeden Tag bewusst entscheiden, was man besitzen will, und es umsetzen.
Beide Themen verbindet eine Botschaft: Ob KI oder digitale Souveränität, entscheidend ist, Dinge umzusetzen und das Vertrauen in die eigenen Stärken nicht zu verlieren.
Mit welchen Erkenntnissen fährst Du aus Babelsberg nach Hause?
Die Motivation ist groß. In Babelsberg waren Menschen, die etwas bewegen wollen, die Branche lebt. Ob digitale Souveränität oder KI, das drängendere Thema für ein Medienhaus ist: Abwarten ist keine Lösung. Wer jetzt ausprobiert und bewusst entscheidet, was er selbst in der Hand behalten will, gestaltet den Wandel mit.
Jan, vielen Dank für das Gespräch.
[1] https://www.nielsen.com/de/news-center/2025/new-gracenote-report-highlights-impact-of-ineffective-content-discovery-on-consumer-happiness-with-streaming/
Bild oben: Jan Friedlein (Quelle: privat), Hintergrund KI-generiert