Reverse-Remote-Produktion

FKTG-Journal
Softwaredefinierte Ü-Wagen für DMC.

Broadcast Solutions hat zwei Ü-Wagen an den Remote-Produktionsanbieter DMC ausgeliefert, die laut Anbieter auf einem neuen Betriebskonzept basieren: Statt Signale zu einem zentralen Regieraum zu übertragen, werden Mischung und Verarbeitung im Fahrzeug selbst durchgeführt, während die Bedienung der Geräte remote vom Produktionsstandort aus erfolgt. DMC bezeichnet dieses Konzept als „Reverse-Remote-Produktion“.

 

Technisches Konzept

Konventionelle Remote-Produktion überträgt sämtliche Kamera- und Tonsignale unkomprimiert oder mit geringer Kompression zum Regieraum. Das erfordert hohe, latenzarme und äußerst stabile Bandbreiten. DMC kehrt diesen Ansatz um: Die signalintensive Verarbeitung bleibt vor Ort im Fahrzeug, übertragen werden lediglich Steuerdaten sowie komprimierte Monitoring- und Programmsignale.

Signalverarbeitung und Übertragungs-Workflow laufen vollständig in einer softwarebasierten Grass-Valley-AMPP-Umgebung. Die Fahrzeuge sind kompakt ausgelegt und vereinen drei Funktionsbereiche:

  • einen Produktionsbereich für optionale Steuerung vor Ort,
  • einen zentralen Geräteraum für AMPP-Verarbeitung und das GRID-Netzwerk (MXL),
  • ein Rüstabteil für Kameras, Objektive, Stative und weiteres Equipment.

Dadurch entfällt bei klassischen Außenübertragungen der Bedarf an ein bis zwei zusätzlichen Sattelzügen (Ü- und Rüstwagen), was CO-Bilanz und Logistikaufwand reduziert.

 

Kameratechnik und Signalverarbeitung

Jeder Ü-Wagen unterstützt bis zu 16 Kameras vom Typ LDX98 (Grass Valley), angebunden über konventionelle Außenanschlussfelder und Stageboxen. Die Fahrzeuge verarbeiten derzeit native 1080p-Signale in SDR und HDR und sind UHD-ready.

Die Signalverteilung erfolgt über redundante Cisco-Switches. Den Kern der Verarbeitung bilden zwei AMPP-Edge-Server von Grass Valley mit NVIDIA-Blackwell-GPUs, die mit je 11 TB lokalem Speicher Replay- und Super-Slo-Mo-Funktionen bereitstellen. Für die Tonmischung kommt eine Calrec-Argo-M36-Konsole zum Einsatz.

 

Bandbreitenbedarf

Das Gesamtsystem benötigt lediglich eine Internetanbindung von rund 100 Mb/s – ein Bruchteil des Bedarfs klassischer Remote-Produktion. Davon entfallen etwa 25 Mb/s auf die latenzarme Steuerung und den Datenaustausch zwischen Einsatzort und Produktionszentrum, weitere rund 25 Mb/s auf das Monitoring über WebRTC-Multiviewer-Streams sowie zusätzliche 25 Mb/s auf die Programmausspielung als SRT-Stream vom Ü-Wagen aus. Bei einer typischen 100-Mb/s-Anbindung verbleibt damit ausreichend Reserve.

Die beiden Fahrzeuge sind für Produktionen wie Spiele der 3. Liga in Deutschland sowie das ATP-Tennisturnier in Schweden vorgesehen. Laut DMC eignet sich das Konzept nicht ausschließlich für Sportübertragungen, sondern auch für Außenproduktionen mit Wunsch nach Vor-Ort-Regie – die Fahrzeuge lassen sich bei Bedarf auch konventionell betreiben. Broadcast Solutions zeigt einen der Ü-Wagen auch auf der IBC 2026 am Stand 0.A03 im Außenbereich.

 


Bild oben: Einer der beiden neuen Ü-Wagen von DMC (Quelle: Broadcast Solutions)

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