Das Kölner Unternehmen G&L Systemhaus und der britische Anbieter Signapse entwickeln ein KI-System zur automatisierten Übersetzung digitaler Videoinhalte in Deutsche Gebärdensprache (DGS). Grundlage ist ein fotorealistischer, videobasierter Avatar, dessen Kerntechnologie bereits für British Sign Language (BSL) und American Sign Language (ASL) im Einsatz ist.
Untertitel kein Ersatz für Gebärdendolmetschen
Ein Großteil digitaler Videoinhalte wird aktuell ohne Gebärdensprachverdolmetschung veröffentlicht. Als Hauptursache gilt der Mangel an verfügbaren Gebärdensprachdolmetschern, der eine durchgängige Versorgung erschwert. Untertitel gelten als unzureichender Ersatz, da sie Lesekompetenz voraussetzen und die visuell-räumliche Grammatik der Gebärdensprache nicht abbilden. Nach Unternehmensangaben nutzen in Deutschland rund 200.000 Menschen DGS.
Dementsprechend positionieren beide Unternehmen die Lösung als Ergänzung, nicht als Ersatz für professionelle Gebärdensprachdolmetscher. Für Situationen mit direktem Dialog sowie in medizinischen, juristischen oder politisch sensiblen Kontexten bleibe menschliches Dolmetschen erforderlich. Zielsetzung sei die Erschließung von Inhalten, die aus Kapazitätsgründen bislang gar nicht gebärdet werden.
Digitaler Avatar folgt menschlichem Pendant
Das System basiert nicht auf einem rein computergenerierten Avatar, sondern auf Videoaufnahmen eines menschlichen Gebärdensprachdolmetschers. Für die DGS-Version zeichnet der DGS-Ausbilder Andreas Costrau in einem Berliner Greenscreen-Studio sogenannte Glossen auf, die lexikalischen Grundeinheiten der Gebärdensprache. Die Signapse-Technologie überträgt diese Aufnahmen auf einen fotorealistischen digitalen Avatar namens Kim, der ab Herbst 2026 für deutschsprachige Inhalte zur Verfügung stehen soll.
Nach Unternehmensangaben werden neben den Handzeichen auch Mimik, Kopfbewegungen, Körperhaltung, Blickführung und räumliche Grammatik erfasst, da diese Elemente in der DGS grammatikalische und semantische Funktion tragen.
G&L bindet den Digital Signer in bestehende Streaming-Infrastrukturen ein. Die Ausspielung soll sowohl live als auch On-Demand über API und SDK erfolgen, um eine automatisierte und skalierbare Einbindung in Videoplattformen zu ermöglichen.
Bild oben: DGS-Spezialist Andreas Costrau bei der Aufnahme der Glossen. Rechts im Bild: Avatar Kim (Quelle: G&L Systemhaus)