Zwischen Daten und Bauchgefühl

Angela Bünger
Kurze Impressionen von der Sports Innovation 2026 in Düsseldorf.

Die Welt des Sports ist mehr denn je datengetrieben. Doch während der ambitionierte Hobbysportler noch Herzfrequenz und Schritte trackt, ist der Profisport schon meilenweit vorausgeeilt: KI wird dort im Rahmen der digitalen Transformation nicht nur für die Analyse von Trainingsdaten, sondern auch für Scouting oder Spielstrategie genutzt. So lassen sich etwa passende Talente oder taktische Muster anhand der analysierten Daten herausfiltern.

Ist jetzt also zu befürchten, dass der Zuschauer statt Fußball demnächst nur noch „Rasenschach“ erleben wird, wie Puristen ja mit Einführung jeder technischen Neuerung nicht müde werden, zu betonen? Nicht, wenn es nach Dr. Steffen Merkel, Geschäftsführer der DFL GmbH geht. Zwar treibe die Bundesliga den Einsatz moderner Technologien voran, der Umgang mit KI liege jedoch stets in der Verantwortung des Menschen, etwa mit Blick auf Empathie, Moral und Compliance, wie er in seiner Eröffnungsrede zur Sports Innovation 2026 betonte.

Die Veranstaltung zog am 4. und 5. März 2026 erneut ein internationales Fachpublikum aus Sport, Medien und Technologie in die Merkur-Spiel-Arena in Düsseldorf. Gastgeber der Sports Innovation waren die DFL sowie der Düsseldorfer Veranstaltungsspezialist und Venue-Betreiber D.LIVE mit seiner Unit D.SPORTS. Bereits zum vierten Mal präsentierten Hersteller dort ihre aktuellen Lösungen für den Sportbereich. Und das nicht nur am Stand, sondern direkt live im Spiel. Denn während auf der Hauptbühne im Stadion, der „Arena Stage“, in Panels und Präsentationen die Zukunft des Sports diskutiert wurde, lief auf dem Platz das „Innovation Game“.

 

Live-Spiel mit aktuellen Showcases

Fünf Showcases zeigten am ersten Veranstaltungstag, wie aktuelle und künftige Medientechnologie mit realen Spielsituationen umgehen. Dabei ging es unter anderem um halbautomatische Abseitserkennung, mobile Kameras am Spielfeldrand, Zoom bei Wiederholungen ohne Auflösungsverlust, ferngesteuerte leichte Kamerakräne, moderne Eckkamera-Systeme und sogar einen Regenreflektor an einer Spider-Cam. Dank der Stadionatmosphäre kamen Technik- Enthusiasten und Sportfans gleichermaßen auf ihre Kosten, auch wenn es stellenweise durch die Lautstärke schwer war, Gesprächen auf der Bühne und Spielgeschehen gleichzeitig zu verfolgen.

 

Stadionatmosphäre: Die Panel-Diskussionen fanden direkt neben dem Live-Spielgeschehen statt. (© alle Bilder: Angela Bünger)

 

Broadcast Solutions zeigte mit DMC Production einen Remote‑Production‑Ü‑Wagen, der auf software-basierte Workflows setzt. Der kompakte LKW stelle die unverzichtbare Infrastruktur vor Ort bereit. Die gesamte Produktion mit 16 Kameras über Grass Valley AMPP als Backbone des Workflows wird von den DMC-Hubs in München, Hilversum oder einem der anderen DMC-Broadcast-Center aus ferngesteuert. Die cloudnative Plattform im Ü-Wagen übernimmt Video- und Audiomischung, Multiviewing, Routing und NMOS-Steuerung.

Ein weiteres Highlight war die Vorstellung eines Rain Deflectors für Aerial Camera Systeme (ACS, in diesem Fall die Spidercam), der von der Broadcast Solutions Tochterfirma PMT für Seilkamerasysteme adaptiert wurde. Das System soll das Anhaften von Wasser auf der Linse verhindern.

Broadcast Solutions Partner Studio Automated zeigte ein Multisport-KI-Kamerasystem, das Kameras in verschiedenen Positionen automatisch führt. Für Fußball sind unter anderem „Main High“, „Main Close“, „16 m High“ und „Behind the Goal“ abrufbar, ergänzt um den technischen Feed.

Skynamic präsentierte ultraleichte, sicherheitszertifizierte Drohnen ab 99 Gramm, die sowohl über Publikum als auch bei Regen eingesetzt werden dürfen. Ergänzend wurde eine Version mit Gimbal vorgestellt, die stabilisierte Bilder trotz minimaler Bauform ermöglicht.

 

Die kleinste, auf der Veranstaltung präsentierte Drohne von Skynamic

 

Gemeinsam mit SAPEC präsentierte Broadcast Solutions eine Corner‑Cam mit zwei beweglichen Kameraeinheiten im Pfosten. Die Kombination aus PTZ‑Kopf und schwenkbarer Unterkamera bietet neue Perspektiven für Eckbälle, Spielaktionen an der Seitenlinie und Torraumszenen. Mit vier zusätzlichen Torlinienkameras unterstützt das System Schiedsrichterentscheidungen und liefert gleichzeitig hochwertiges Material für Social Media. Die FIFA‑/IFAB‑Zertifizierung macht das Setup zudem regulativ einsatzbereit für professionelle Wettbewerbe.

EVS präsentierte unter anderem LSM-VIA Zoom, eine Funktion für fortschrittliches Zoom-Management und automatisches Objekt-Tracking. Mit PowerVision adressiert der Anbieter unter anderem den wachsenden Bedarf an intelligenter Schiedsrichter-Unterstützung und bietet erweiterte Vision-Analyse-Funktionen. Darüber hinaus präsentierte das Unternehmen mit T-Motion ein breites Portfolio an robotischen Kamerasystemen.

Riedel Communications ist ebenfalls seit Jahren eine feste Größe nicht nur im Sportbusiness, sondern auch auf der Sports Innovation. Mit der Ref-Cam, seinen verschiedenen Kommunikationslösungen für professionelle Produktionsumgebungen jeder Größe und seinem Easy 5G-Angebot, das den Einstieg in drahtlose 5G-Konnektivität für Broadcast-Anwendungen vereinfachen soll, brachte der Anbieter auch in diesem Jahr viele Themen mit.

Qvest nutzte seinen Auftritt, um sich als strategischer Partner für die gesamte Wertschöpfungskette moderner Sportproduktion zu positionieren. Im Mittelpunkt standen event-zentrische Produktionsansätze, Cloud-first-Umgebungen für Live-Produktionen sowie integrierte Workflows für Ingest, Editing, Replay und Distribution. Ergänzend präsentierte das Unternehmen datengetriebene und KI-gestützte Ansätze zur Content-Orchestrierung und Monetarisierung.

Logic Media Solutions konzentrierte sich am Stand und im Vortragsprogramm Cloud-native, End-to-End-Live-Produktion. Das dazu vorgestellte Konzept sollte in der Woche darauf, am 12. März 2026, auch Gegenstand der Veranstaltung „Hallo Hybrid“ beim WDR in Köln sein.

 

Jens Gnad (Logic Media Solutions)bei seinem Vortrag auf der Red Stage

 

Als technischer Dienstleister für die Produktion des Veranstaltungshighlights war TVN Live Production mit Crew und dem TVN-Ü8 vor Ort.

 

Fanerlebnis: Inklusiv und 360°

Im Rahmen der Sports Innovation wurden auch der Startup Award vergeben. Dieser ging an das Unternehmen OneCourt, das eine Technologie entwickelt hat, die das Spielgeschehen in wahrnehmbare Vibrationen umwandelt, sodass Fans mit Sehbehinderungen das Spiel mit ihren Fingerspitzen verfolgen und am Live-Erlebnis teilhaben können.

Das Fanerlebnis war auch in weiteren Präsentationen ein zentraler Punkt. So war erstmals die „Bundesliga Shared Experience“ zu erleben, eine Fußballübertragung mit Großbildleinwand und Dolby Surround-Ton, die ein immersives Fanerlebnis verspricht. Dolby zeigte am Stand zudem sein In-Car-Entertainment. Im Vortragsprogramm war zudem zu erleben, dass viele Clubs ihr Webangebot deutlich ausbauen, sodass Fans vom Ticket über Merchandise bis hin zu Content-Angeboten via Single Sign-On auf einer einzigen Plattform finden.

 

Dolby In-Car Entertainment

 

Auch wenn sich Arbeitsweisen ändern, Sport lebt von Emotion, heute und in Zukunft. Das gilt dabei nicht nur für die Fans, sondern auch für Athleten, Trainer und Scouts sowie die Medien. Technologien wie KI-gestützte Analyse sind valide Hilfsmittel für die Sportprofis und bieten auch den Fans einige Vorteile. Wie es ein Panel-Teilnehmer, selbst Trainer, formulierte, sei der Rest „Bauchgefühl“.

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