Mit rund 200 Ausstellern und 2.700 Fachbesuchern etablierte sich die Hamburg Open 2026 als wichtige Plattform im DACH-Raum für Broadcast, Streaming und professionelle Medienproduktion. Die FKTG nutzte die Fachmesse vom 14. bis 15. Januar als zentrale Bühne und kuratierte ein vielseitiges Vortragsprogramm mit dem Schwerpunkt "Cyber Security in der Medientechnik“.
FKTG zeigt Präsenz auf mehreren Ebenen
An Stand 739 informierte die FKTG über Mitgliedschaften als persönliches Mitglied oder Förderfirma und diskutierte Themenvorschläge für Podcast, Journal und Veranstaltungen. Interessierte konnten sich über ehrenamtliche Mitarbeit in Regionalgruppen, der Redaktion oder bei Events informieren. Eines der vorgestellten Highlights war die kostenfreie Mitgliedschaft für Studierende: Wer sich bis Ende 2026 neu als studentisches Mitglied anmeldet, kann alle Vorteile der FKTG-Mitgliedschaft für die gesamte Dauer des Studiums kostenfrei nutzen.
Parallel zum Messegeschehen war das FKTG-Podcast-Team Angela Bünger und Kim Seidler bei Studio Hamburg MCI im Greenscreen-Studio zu Gast. Dort wurden mehrere Podcast-Folgen zu aktuellen Medienthemen aufgezeichnet, unter anderem mit Schwerpunkten auf Künstlicher Intelligenz, Monitoring-Technologien und dem technologischen Wandel im Broadcast-Bereich.

NMOS-Security: Wenn Steuerprotokolle zum Angriffsziel werden
Den Auftakt* der FKTG-Themenreihe Cyber Security machte Hartmut Opfermann (BFE Studio und Medien Systeme) mit seinem Vortrag zu NMOS-Security. Seine zentrale These: Das Steuerprotokoll NMOS, unverzichtbar in modernen ST2110-Projekten und künftig auch für NDI und MXL vorgesehen, entwickelt sich zum attraktiven Angriffsziel. Opfermann zeigte auf, dass zwar Sicherheitsspezifikationen wie IS-10 und die BCP-003-Serie existieren, deren praktische Umsetzung durch Hersteller jedoch noch erhebliche Lücken aufweist. Die Sicherheitskonzepte sind definiert – ihre Realisierung lässt auf sich warten.
Europäische Cloud-Souveränität als strategische Herausforderung
Die Abhängigkeit von außereuropäischen Cloud-Diensten beschäftigte eine hochkarätig besetzte Panel-Diskussion mit Moderator Dr. Frank Hoffmann (Qvest) und den Gästen Malte Blumberg (SWR) und Daniel Trott (Stackit). Im Mittelpunkt stand die Frage, wie eine souveräne europäische Cloud-Infrastruktur aussehen könnte, ohne dabei Innovationskraft und Skalierbarkeit zu beeinträchtigen. Besonders öffentlich-rechtliche Sender sehen sich hier vor datenschutzrechtliche und sicherheitsrelevante Herausforderungen gestellt.

Perspektivwechsel: Media over IP aus Angreifersicht
Am zweiten Veranstaltungstag beleuchtete Mirko Herth (Fortinet) das Thema Media over IP aus ungewöhnlicher Perspektive. Entlang der Cyber Kill Chain analysierte er die Vorgehensweise von Angreifern – von der Aufklärungsphase bis zur Entwicklung maßgeschneiderter Angriffsvektoren. Seine Präsentation zeigte konkrete Schutzmechanismen auf: Frühwarnmechanismen, Netzsegmentierung und Täuschungstechniken können Angriffe bereits in der Entstehungsphase abwehren.
Verantwortung in der Cloud richtig verteilen
Andreas Kastner (Amazon Web Services) erläuterte das Shared Responsibility Model. Seine Kernbotschaft: Sicherheit in der Cloud funktioniert nur als geteilte Verantwortung zwischen Provider und Kunde. Während AWS für die Infrastruktur verantwortlich zeichnet, liegt die Sicherheit des Gastbetriebssystems, der Anwendungssoftware und der Konfiguration beim Kunden. Kastner betonte die Notwendigkeit, Services bewusst auszuwählen, abhängig von Integration, rechtlichen Anforderungen und eigenen Ressourcen.
Praxisnahe Sicherheitskonzepte
Michael Wüst (Black Box) widmete sich einem oft unterschätzten Risiko: USB-Schnittstellen in KVM- und AV-Umschaltungen. In Ü-Wagen, Postproduktion und Regien werden diese Systeme standardmäßig eingesetzt. Wüst zeigte Wege auf, wie sich andere USB-Geräte neben Tastatur und Maus freigeben lassen, ohne dass Datendiebstahl per USB-Stick möglich wird.
Daniel Martini (Cisco) rundete das Programm zum Thema Cyber Security mit einem Praxisbeispiel aus Paris 2024 ab. Am Beispiel der Olympischen Spiele demonstrierte er, wie sich komplexe Produktionsnetzwerke, Distributionssysteme und Cloud-Plattformen wirksam absichern lassen, mit konkreten Impulsen auch für kleinere Medienhäuser.
Panel-Diskussionen: FKTG-Vorstandsmitglieder gefragte Fachleute
Neben der FKTG-eigenen Vortragsreihe zur Cyber Security waren Vorstandsmitglieder der FKTG bei weiteren Panel-Diskussionen zu Gast. So etwa bei einem Panel, das sich einem grundlegenden Branchenthema widmete: Alexandra Maier (Rise AV) moderierte die Diskussion mit Ulf Genzel (contagi), Dominique Hoffmann (WDR) und Dr. Christiane Janusch (ZDF) sowie Teelke Uffen (NDR). Geschlechtervielfalt und die Förderung junger Talente, insbesondere in technischen Bereichen, werden zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor, so die Quintessenz. Für jüngere Generationen ist Geschlechterparität oftmals selbstverständlich und kann bei der Berufswahl den Ausschlag geben.

Ein weiteres Panel unter Moderation von Stefan Weidner (BCE) beleuchtete die Dynamic Media Facility (DMF), und zwar fernab von markigen Buzzwords. Sonja Langhans (sommer + spohr), Dagmar Driesnack (Appear), Markus Berg (ARD/SWR), Jens Gnad (LOGIC media solutions) und Thomas Gunkel (Skyline), diskutierten, wie sich herstellerübergreifende Interoperabilität in der Praxis umsetzen lässt. Besonders riefen die Diskussionspartner das Publikum zum Mitmachen auf. Viele Informationen der DMF-MXL-Gruppe der EBU stünden nicht nur Partnerorganisationen offen, sondern wären frei verfügbar.

Fazit
Die FKTG kann auf eine erfolgreiche Hamburg Open 2026 zurückblicken. Mit einem fokussierten Vortragsprogramm zu Cyber Security setzte sie einen klaren inhaltlichen Akzent und machte deutlich, dass Sicherheit in IP-basierten Produktionsumgebungen von der theoretischen Planung zur praktischen Implementierung kommen muss. Zudem engagiert sich der Verein mit eigenen Events und Publikationen dafür, die Messethemen nachhaltig in die Fachcommunity zu tragen, denn technologische Innovation und Fachkräftesicherung sind untrennbar verbunden.
Der Termin für die nächste Hamburg Open steht schon fest: Die Messe findet am 20. und 21. Januar 2027 statt.
* Der Vortrag von Alexander Leschinsky (G&L Systemhaus) zum Thema „Medienspezifische IT-Security“ musste wegen Krankheit des Referenten kurzfristig entfallen. Wir arbeiten an einer Lösung, den Vortrag als Online-Seminar zu einem späteren Zeitpunkt bereitzustellen.
Aufmacher: v.r.n.l. Jürgen Sewczyk, Sonja Langhans, Jan Bohacek und Prof. Dr. Rainer Schäfer mit Moderatorin Gila Thieleke (Bild: Christian Koch)